Klassiker der Geschichtsschreibung

Der Orient – ein aufgeladenes Wort. Der grosse klassische Philologe Walter Burkert will den Begriff mit seinem Buch Die Griechen und der Orient – von Homer bis zu den Magiern nicht verschärfen, sondern Licht auf eine vielseitig blühende Kulturgemeinschaft werfen.
Das «Zeitalter der Extreme» – der grösste Teil des 20. Jahrhunderts – hat die nie dagewesene Verwüstung in weiten Teilen der Erde hervorgebracht, gleichzeitig aber auch enorme technische Innovationen gefördert. Als Kind dieses Jahrhunderts geht Eric J. Hobsbawm den Ereignissen des 20. Jahrhunderts auf den Grund. Er will erklären, weshalb die Dinge jenen Lauf genommen haben, den sie nahmen.
In der Apologie der Geschichtswissenschaft, seinem unvollendeten letzten Werk, gibt Marc Bloch einen Überblick zu theoretischen und methodischen Werkzeugen eines Historikers. Er verteidigt die Geschichtswissenschaft und zeigt auf, inwiefern sich die Denkweise der Historiker und Historikerinnen von derjenigen anderer Wissenschaftler unterscheidet. Seine Leidenschaft zur Geschichte, die ihn dazu angetrieben hat, dieses Werk unter schwierigsten Umständen zu verfassen, ist in jeder Zeile spürbar.
Cornelia Vismann zeigt in ihrer im Jahr 2000 erschienenen Monographie Akten. Medientechnik und Recht die Entwicklung der Aktenführung innerhalb der Institution des Rechts auf. Dabei illustriert sie eindrücklich die Wechselwirkung zwischen Rechtssystem und Akten. Ihre Untersuchung reicht von der Aktenführung der Antike bis zur Macht der Akten im 20. Jahrhundert.
Maria Todorova ist noch heute eine der angesehensten Balkan-Expertinnen innerhalb der Geschichtswissenschaft. Ende der 1990er-Jahre feierte sie mit Die Erfindung des Balkans ihren grössten Erfolg. Mit ihrem provokativen Buch möchte sie vor allem etwas erreichen: aufräumen mit den Klischeevorstellungen über den Balkan, die zur Zeit der «Balkankonflikte» stark verbreitet wurden.
In das Europa der Nationen ergründet der tschechische Historiker Miroslav Hroch das Phänomen der Nationenbildung in Europa. Dass es verschiedene Formen von Nationen gibt und ihre Entstehungsbedingungen und -geschichten sehr unterschiedlich ausfallen, zeigt er in seinem Werk, das eine Synthese der bisherigen Forschung beinhaltet.
Von Hirten und Liebhabern, Ketzern und Ehebrechern. Emmanuel Leroy Ladurie entführt mit seinem Grosserfolg Montaillou – ein Dorf vor dem Inquisitor in eine Welt voller Sünden und Lebenslust, voller Gerüchte und Geschichten und nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf eine mikrogeschichtliche Beobachtungsreise ins südliche Frankreich des frühen 14. Jahrhunderts.