Das Historische Seminar durch die rosarote Brille einer frischgebackenen Geschichtsstudentin

Florianne Ammann, November 4, 2017

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Sieben Wochen sind seit dem Semesterstart vergangen. Für viele ist es das erste Semester eines neuen Lebens, des Studierendenlebens. So auch für mich. Neben tonnenweise Lesestoff, gibt es unzählige neue Eindrücke, die es zu verarbeiten gilt.

Der Entscheid zum Studium der Geschichte stiess in meinem Umfeld nicht unbedingt auf überschwängliche Begeisterung, um das wohlwollend zu formulieren. Neben einigen wenigen, durchaus positiven Stimmen, wurde mir nicht nur einmal eine fehlende Zukunft prophezeit und es wurde mir bisweilen sogar ein gewisser Grad an Verrücktheit attestiert. «Du hasch doch an Vogel», entgegnete mir beispielsweise mein Grossvater wenig enthusiastisch. Das kommt einigen von Euch bestimmt bekannt vor. Meiner eigenen Vorfreude allerdings konnte das nichts anhaben und so war der erste Schritt (ins Unigebäude) dann auch der Besuch des Info- und Begrüssungstages des Historischen Seminars einige Tage vor Studienbeginn.

Zu einer allgemeinen Begrüssung spazierte eine Schar von neugierigen, angehenden Geschichtsstudierenden in einen Vorlesungssaal hinein, welcher kaum grösser war als ein gewöhnliches Klassenzimmer. Mir gefiel es, dass die Anzahl Menschen im Saal so überschaubar war, man könnte fast sagen es war sofort eine gewisse Verbundenheit und Sympathie im Raum spürbar. Naja gut, womöglich habe auch nur ich diese gespürt.

Wir wurden freundlich begrüsst und sehr bald wurde dann auch die verbreitete Vorstellung der perspektivlosen HistorikerInnen humorvoll aufgegriffen und es wurden uns viele verschiedene berufliche Möglichkeiten aufgezeigt. Vor allem aber wurde uns natürlich das Historische Seminar mit all seinen Vorzügen, aber auch organisatorischen Tücken – Stichwort: das folgenschwere Verpassen von Modulbuchungsfristen – vorgestellt. In der Folge haben sich der Fachverein, sowie der etü kurz vorgestellt und uns herzlich dazu eingeladen, bei ihnen mitzumachen. Wer sich also am Historischen Seminar engagieren und neue Leute kennenlernen will, der oder die kann das. Soviel war mir klar nach diesem Tag.

In den ersten Wochen habe ich erst einmal ganz viele Räume gesucht und ganz viele neue Gesichter, mit den unterschiedlichsten Brillenmodellen auf der Nase, gesehen. Neben Lateinvokabeln habe ich versucht mir die Namen jener neuen Gesichter, mit denen ich tatsächlich zu tun habe, zu merken. Zu meiner Überraschung und Freude war meine innerliche Angst vor dem unangenehmen Alleinsein und den einsamen Pausen – Ihr wisst was ich meine – unbegründet und ich kam schnell mit anderen Studierenden in Kontakt. Das hat natürlich wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich sehr schnell, sehr wohl fühlte. Vielleicht fast ein bisschen zu wohl, wenn ich die Menge an Feierabendbier im bQm, die ich bis jetzt schon genossen habe, bedenke.

Auch ganz wunderbar finde ich die Tatsache, dass in den Geschichtsvorlesungen noch viele junge Leute und auch sympathische Rentnerinnen und Rentner, ihre Notizen gerne von Hand machen, anstatt im Sekundentakt wie wild in die Tasten eines ultramodernen Laptop-Modells zu hauen. Da wird mir als leidenschaftliche «Vonhandschreiberin» gerade ein bisschen warm ums Herz. Wer zudem gerne Zeitreisen unternimmt, morgens über den Aufruf zum ersten Kreuzzug etwas erfahren und am Nachmittag die Geschichte japanischer ArbeiterInnen auf der Überfahrt nach Hawaii im 19. Jahrhundert studieren will, der- oder diejenige ist, wie ich, am Historischen Seminar genau am richtigen Ort.

Kurz gesagt: Ich bin verliebt. Nicht in den überfüllten Pendlerzug morgens um halb acht, aber in die neue Welt, die sich mir hier gerade öffnet, in die interessanten Gespräche mit neuen Bekanntschaften, in die Möglichkeit mich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und ins Studierendenleben. Sollte sich die rosarote Brille aber mit der Zeit in Luft auflösen, weiss ich schon ganz genau welches Brillenmodell ich mir zulegen möchte: Sie ist dunkelgrau, in Butterflyform und punktet mit ihrem originellen und ungewöhnlichen Stil. Einfach der Extravaganz wegen und ein bisschen auch, weil ich doch gerne zur Brillencommunity dazugehören will.


Titelbild: Bildmontage etü, Quelle: Wikimedia Commons

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