«Top secret» Geheimnisse und Vorurteile über die Freimaurer

Ruben Regenass, Juni 24, 2017

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Anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der ersten Freimaurerloge will das Bernische Historische Museum in der Ausstellung «Top Secret – Die Freimaurer» mit verbreiteten Vorurteilen zu diesem Thema aufräumen, ohne ihm dabei seine geheimnisvolle Attraktion zu rauben.

Ein dickes, abgegriffenes Taschenbuch steht aufrecht unter einer Glasvitrine. Auf seinem Titelbild ist in übergrossen Buchstaben der Name zu lesen: Dan Brown. Der Roman des Thriller-Autors, dessen Geschichten sich stets um Geheimorganisationen und Verschwörungstheorien ranken, versperrt auf einem kleinen Sockel den Zugang zur neuen Wechselausstellung am Bernischen Historischen Museum «Top Secret – Die Freimaurer».

Man wolle die BesucherInnen eben bei ihrem Wissensstand zur Freimaurerei abholen, erklärt Dr. Jakob Messerli, der Direktor des Museums. Dieser bestünde wohl hauptsächlich aus einer Handvoll gängigen Vorurteilen und Klischees. Der Bestseller, der am Eingang wie eine sinnbildliche Hürde umgangen werden muss, wirkt also wie eine Aufforderung der Kuratoren, ebenjenes Halbwissen hinter sich zu lassen und sich unbefangen der Geschichte der Freimaurer zu widmen.

Von der Gründung bis zum Fast-Verbot in der Schweiz

Die Intention falsche Vorstellungen zu korrigieren zieht sich sodann auch durch die gesamte Ausstellung, deren Programm gar nach zehn Vorurteilen geordnet ist, die jeweils klargestellt werden sollen. Sie lauten zum Beispiel: Ist die Freimaurerei tatsächlich eine Art Ersatzreligion? Sind wirklich eine Grosszahl an bekannten und einflussreichen Persönlichkeiten Freimaurer gewesen? Was hat es mit dem ominösen 33. Grad auf sich?

Ein erster Teil widmet sich der Geschichte der Freimaurerei, angefangen bei der Gründung der ersten Grossloge am 24. Juni 1717 in einem Londoner Wirtshaus. Was dabei an Informationen über die Verbreitung und Verfolgung der Organisation, ihre eigene Ursprungsmythologie, sowie über das «Schisma» zwischen den Dachverbänden United Grand Lodge of England und der Grand Orient de France präsentiert wird, ist eher knapp gehalten, aber aufschlussreich und unterhaltsam.

Einen nicht unbedeutenden Teil der jüngeren Geschichte der Freimaurer lässt der Rundgang jedoch vermissen: Nur kurz wird auf die Geschichte der Freimaurerei in den Vereinigten Staaten verwiesen. Schätzungen zufolge stammt aber eine absolute Mehrheit der heute aktiven Freimaurer aus den Vereinigten Staaten und die amerikanische Politik war seit jeher stark geprägt von Freimaurern und deren Werten. Einen spannenden Einblick bietet der Rundgang dafür in die Aufarbeitung der sogenannten Fonjallaz-Initiative zu einem Verbot der Freimaurerei in der Schweiz, benannt nach ihrem Initianten, einem ehemaligen Oberst, der in der Nationalen Front tätig war.

Dunkle Vorhänge und Totenköpfe

Im Herzen der Ausstellung betritt man den lebensgross nachgestellten Ritualraum oder ‚Tempel’ der Berner Freimaurerloge zur Hoffnung, in Kooperation mit welcher die Jubiläumsaustellung entstand. Aus dieser Zusammenarbeit stammt auch der etwas antiklimatische Höhepunkt der Ausstellung im letzten Raum. Gefilmte Interviews mit Freimaurern der Loge zur Hoffnung (und einem Mitglied einer Frauenloge) und Statistiken über deren Mitglieder bezüglich Beruf, Ausbildung, Alter und ähnliches bieten einen einmaligen Einblick in die lokale und zeitgenössische Praxis der Freimaurerei.

Bei aller Sachlichkeit findet das Museum bisweilen durchaus Gefallen an den okkultischen und mysteriöseren Seiten dieses Geheimbundes und schmückt die Räume mit dunklen Vorhängen, Totenköpfen und Kerzen. Das Leporello zur Ausstellung erinnert dann auch mehr an ein Sektenpamphlet als alles andere. Trotzdem gelingt den Kuratoren das Kunststück, die Freimaurerei ein Stück weit zu entmystifizieren, ohne dabei all das Geheimnisvolle aufzugeben, was BesucherInnen an dem Thema gerade faszinieren dürfte.

 

Zur Ausstellung:

«Top Secret – Die Freimaurer», vom 15. Juni bis zum 3. September 2017, Bernisches Historisches Museum, Helvetiaplatz 5, 3000 Bern.


Quelle Titelbild: Bernisches Historisches Museum

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